Zwischen Angst und Gottvertrauen

Ägypten

Der jüngste Anschlag auf die koptische Kathedrale in Kairo hat nach Einschätzung des koptisch-katholischen Bischofs Kyrillos William die Angst vor weiteren islamistischen Anschlägen in Ägypten geschürt. Gleichzeitig spüre man bei den Christen des Landes ein „grosses Gottvertrauen“, sagte der Bischof von Assiut im Interview mit KIRCHE IN NOT. Als positiv bewertet Bischof Kyrillos den Einsatz des ägyptischen Präsidenten, Abd al-Fattah as-Sisi, für die Zukunft des Landes.

KIRCHE IN NOT: Herr Bischof, wie bewerten Sie aus christlicher Sicht die gegenwärtige Lage in Ägypten?

Bischof Kyrillos: Die jüngste Episode brutalen Terrors auf Gläubige in Kairo hat bei den Christen große Trauer ausgelöst. Wir sind sehr betroffen. Gerade am Dienstag hat die koptische Kirche den 26. Märtyrer des jüngsten Anschlags erhalten, ein zehnjähriges Mädchen ist an den Verletzungen gestorben. Gleichzeitig sehen wir viel Gottvertrauen und Stärke. Wie in früheren Fällen sehen wir auch jetzt: Wenn Terror verübt wird, um Menschen vom Gottesdienst abzuhalten, kommen noch mehr als sonst.

Wie hat ihre nichtchristliche Umwelt reagiert?

Wir erfahren viel Solidarität und Mitgefühl! Viele haben angerufen oder sind sogar gekommen, um ihre Kondolenz auszusprechen. Der Staat hat sofort reagiert und die Untersuchung aufgenommen. Der Präsident selbst hat gesagt, er hätte nicht an die Trauerfeier für die Opfer kommen können, ohne einen Täter benennen zu können. Das bedeutet sehr viel, wenn man bedenkt, dass es in anderen Fällen wie etwa bei dem Anschlag von Alexandria vor ein paar Jahren bis heute keine Spur von den Tätern gibt. Die Menschen denken in diesen Fällen, dass die Polizei und der Staat die Täter unterstützen. Das ist diesmal anders. Ein Präsident, der selbst an die Trauerfeier kommt und jedem Angehörigen und allen Kirchenvertretern die Hand schüttelt, das ist ein starkes Zeichen.

Hat der Anschlag in Kairo die Angst vor weiteren Anschlägen während des Weihnachtsfests geschürt?

Ja, die Angst bleibt. Der „Islamische Staat“ hat weitere Anschläge angekündigt, es ist also nicht ausgeschlossen.

Gibt es besondere Sicherheitsmaßnahmen?

Die verantwortlichen Kräfte sind zu uns gekommen und haben uns um Zusammenarbeit gebeten. Zusätzlich zum äußeren Schutz, der in ihrer Hand liegt, wollen sie unsere Leute trainieren, ihnen zeigen, wie sie wachsam sein können. Unter anderem sollen unsere Pfadfinder, die an Festen die Ordnungsdienste übernehmen, ein ziviles Sicherheitstraining von den Behörden erhalten. Zusätzlich dazu sollen Metalldetektoren vor unserer Kathedrale und unserem Gästehaus eingesetzt werden. Das ist teuer, aber wichtig. Zwar kennen wir unsere Gemeinden, aber gerade zu Festen kommen viele Fremde, etwa als Gratulanten.

Fühlen sich die Christen damit ausreichend geschützt?

Vor vielen Kirchen haben wir schon seit Jahren Soldaten. Das Problem ist aber, dass sie nicht sehr gut ausgerüstet oder trainiert sind, so dass viele Kirchen wiederum sagen: Wir brauchen sie nicht, weil es nicht viel nützt. Es sollten bessere Methoden gefunden werden, besser ausgebildete und ausgerüstete Kräfte etwa. Aber an den großen Festtagen gibt es natürlich auch außergewöhnliche Maßnahmen wie Straßensperren und erhöhtes Sicherheitsaufgebot.

Welchen Weihnachtswunsch haben Sie für Ihr Land und Ihre Gläubigen?

Natürlich wünsche ich mir Frieden für unser Land. Wir sehen die Anstrengungen unseres Präsidenten, der eine Zukunft will für Ägypten. Diese Bemühungen werden untergraben durch die Terrorakte. Das Land braucht Ruhe auch für den Tourismus, der eine wichtige Einnahmequelle ist. Ohne diese Ruhe kommen keine Touristen.

KIRCHE IN NOT hilft den Christen in Ägypten beim Bau von Kirchen, der Ausbildung von Priestern und der Jugendseelsorge. Etwa zehn Prozent der Einwohner Ägyptens sind Christen. Die Mehrheit gehört der koptisch-orthodoxen Kirche an. Die etwa 250 000 Katholiken des Landes sind überwiegend Mitglieder der koptisch-katholischen Kirche. 

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