Red Wednesday

Europa

Ein Land in Rot: 30 öffentliche Gebäude in Großbritannien wurden am vergangenen Mittwoch rot beleuchtet – darunter das britische Parlamentsgebäude, Westminster Abbey, die Krönungskirche der englischen Monarchen, sowie die katholische Westminster-Kathedrale. Anlass war der „Red Wednesday“ („roter Mittwoch“), initiiert vom britischen Zweig des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“. Ziel der Aktion war es, auf die Situation verfolgter Christen weltweit aufmerksam zu machen. Unterstützer trugen rote Kleidung, ein Linienbus mit dem Slogan „Steh auf für Glauben und Freiheit“ tourte durch die Straßen der Hauptstadt und es fanden ökumenische Gebete und Informationsveranstaltungen statt. „Kirche in Not“ Großbritannien hatte den „Red Wednesday“ zum zweiten Mal organisiert. Auch christliche Gemeinden in Irland und auf den Philippinen schlossen sich der Aktion an. In Frankreich und Italien hatten in der Vergangenheit ähnliche Solidaritätskundgebungen stattgefunden. Über die Aktion sprach Marta Petrosillo mit dem Präsidenten von „Kirche in Not“ International, Mauro Kardinal Piacenza.

Marta Petrosillo: Eminenz, der „Red Wednesday“ in Großbritannien hat ein breites Echo gefunden. Glauben Sie, dass es durch solche Aktionen gelingen kann, die Öffentlichkeit für das Thema Religionsfreiheit zu sensibilisieren?

Mauro Kardinal Piacenza: Ich unterstütze die Initiative mit Enthusiasmus, sie ist wirklich lobenswert! Aber es ist wichtig, auch die Werte zu betonen, die ihr zugrunde liegen. Sonst liefe die Aktion Gefahr, als eine Art „vorweihnachtliche Festbeleuchtung“ verweltlicht zu werden. Der „Red Wednesday“ fand an Orten statt, die in engem Zusammenhang mit dem Martyrium der britischen Heiligen Thomas Becket, Thomas Morus und John Fisher stehen. Wenn wir uns ihr Beispiel vor Augen führen, können wir den Wert des christlichen Martyriums besser verstehen, nämlich als eine Demonstration der Würde, der Religionsfreiheit und eines standhaften, wahrhaft edlen Gewissens. Das „Martyrologium“, das kirchliche Verzeichnis der Märtyrer, sollte ein wichtiges Buch in einer sich erneuernden Kirche werden.

Sie haben eine Veranstaltung geleitet, bei der im April 2016 der römische Trevi-Brunnen als Erinnerung an das Blut der Märtyrer rot angestrahlt wurde. Wie wichtig ist es, die Aufmerksamkeit des Westens wachzuhalten gegenüber Verfolgung, unter der Millionen Christen weltweit leiden?

Die Aufmerksamkeit auf die Verfolgten zu lenken, ist eine Pflicht des Gewissens. Die blutrote Farbe, in der die öffentlichen Gebäude beleuchtet werden, soll uns vor allem an eines erinnern: Die christlichen Märtyrer leisten mit Christus stellvertretend Sühne für alle Menschen, auch für unsere Gleichgültigkeit und sogar für ihre Verfolger und Mörder. Das ist der große Unterschied! Das Christentum ist geprägt vom Martyrium. Es schmälert oder verringert nicht die Kraft des Glaubens. Im Gegenteil: Das Martyrium macht das Christentum noch fruchtbarer im Glauben, in der Liebe und in seinem Fortbestehen.

Papst Franziskus hat wiederholt dazu aufgefordert, angesichts der Christenverfolgung nicht zu schweigen. Was ist aus Ihrer Sicht dazu notwendig?

Der Heilige Vater hat eindrücklich daran erinnert, dass auch das Stillschweigen Sünde ist. In Einklang mit dem Papst verurteilt „Kirche in Not“ die Gewalt an Christen und versucht, das Leid der Verfolgten zu lindern. Unser Werk hat die Stimme eines Propheten, der anstachelt und provoziert, das einzig Nötige zu tun: den leiblichen und geistlichen Hunger der Notleidenden zu stillen und in ihnen Christus zu sehen. Es geht darum, die Herzen der Menschen zu öffnen, damit sie die „Tränen Gottes“ trocknen, wo immer er weint. Dafür beten und handeln wir. Wichtig ist auch, sie selbst anzuleiten, auch die Verfolger lieben zu können und die Kirche immer mehr als einen Leib zu verstehen, in dem jedes Glied mit dem anderen verbunden ist. Die Familien, Pfarreien, die kirchlichen Gruppen und Bildungseinrichtungen sollten dabei helfen, die Themen Verfolgung, Martyrium und Solidarität in ihrer ganzen Bedeutung zu begreifen.

Wie kann das gelingen?

Wir brauchen einen umfassenden kulturellen Diskurs, auch was das Thema Diskriminierung betrifft. Denn in vielen Ländern findet eine „Christenverfolgung in Samthandschuhen“ statt: eine nahezu systematische Säuberung von all jenem, was christlich ist oder was den Anschein hat, christlich zu sein. Es wird versucht, allem die Legitimation abzusprechen, was auf geschichtlicher, sozialer oder kultureller Ebene vom Christentum geprägt ist. Auch wenn diese Verfolgung noch nicht zur physischen Gewalt geworden ist, wirkt sie vernichtend.

Aktuelle Infos und Fälle zum Thema Christenverfolgung: www.christenverfolgung.org

Foto: Weenson Oo/picture-u.net

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