36 Tote bei Anschläge auf Kirchen

Ägypten

Bei zwei Anschlägen in Kirchen wurden mindestens 36 Menschen getötet und viele weitere verletzt. Die Attentate fanden kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus statt. Horror und Entsetzen in Ägypten. Mit einem verheerenden Doppelanschlag in Tanta und Alexandria haben offenbar zwei Selbstmordattentäter am Sonntag mehr als 40 Menschen mit in den Tod gerissen und über hundert verletzt. Die Terrortat in der voll besetzten St.-Georgs-Kirche in Tanta, einer Stadt im Nildelta, ereignete sich während des Gottesdienstes am Palmsonntag, mit dem im christlichen Kalender die Karwoche vor Ostern beginnt. Ein Video unmittelbar vor der Explosion zeigt einen Männerchor beim Gesang, als plötzlich ein lauter Knall zu hören ist und die Bilder abbrechen. Auf Fotos nach dem Anschlag sind eilends mit Papier abgedeckte Leichen zu sehen, blutbespritzte Kalkwände und zerfetzte Kirchenbänke. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wurde die Bombe in den vorderen Reihen und damit möglichst nahe am Altar gezündet.

Kurze Zeit später explodierte eine weitere Bombe nahe der St.-Markus-Kathedrale in Alexandria, allerdings außerhalb des Gotteshauses. Dieser Anschlag, der mindestens 16 Menschen das Leben kostete, darunter mehrere Polizisten, galt offenbar dem koptischen Papst Tawadros II., der die Bischofskirche jedoch kurz zuvor nach Ende der liturgischen Feier verlassen hatte. Das Oberhaupt der Kopten blieb unverletzt, wie die Kurie in Kairo am Nachmittag bestätigte. Der Palmgottesdienst erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, bei dem ihm die Bewohner zunächst huldigten, um ihn dann wenige Tage später als Gotteslästerer ans Kreuz zu schlagen.

Islamischer Staat bekannte sich

Beide Mordtaten, die weltweit Abscheu und Empörung auslösten, sind der bisher schwerste Terrorangriff auf die koptische Minderheit, die etwa zehn Prozent der rund 92 Millionen Einwohner ausmacht. Am Nachmittag bekannte sich die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) über seine Amaq-Website zu den Anschlägen. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi berief den Nationalen Verteidigungsrat ein, verhängte einen dreimonatigen Ausnahmezustand und befahl der Armee, wichtige Gebäude im Land zu schützen. Dabei solle sie von der Polizei unterstützt werden. Das Militär spielt in Ägypten eine sehr wichtige Rolle und war bereits vor den Anschlägen vom Sonntag allgegenwärtig in der Öffentlichkeit. Erst im vergangenen Dezember hatte sich ein Selbstmordattentäter an einem Sonntagmorgen in der St.-Peter-und-Paul-Kirche im Zentrum von Kairo in die Luft gesprengt und 29 Gläubige, vor allem Frauen und Kinder, getötet. Auch damals übernahm die IS-Terrormiliz die Verantwortung. Im Februar verübten dessen Gotteskrieger dann auf dem Nordsinai eine spektakuläre Mordserie an Christen. Als Folge flohen praktisch alle dort lebenden 2500 Kopten in Panik in das Niltal, wo sie seitdem in provisorischen Unterkünften hausen.

Staaten der arabischen Welt wie Jordanien, Katar und Bahrain verurteilten die Selbstmordanschläge. Libanons Premierminister, Saad Hariri, dessen Land mit den Maroniten ebenfalls eine bedeutende Minderheit von Christen hat, nannte die Tat einen „Angriff auf die Werte aller Religionen“. Die sunnitische Lehranstalt al-Azhar sprach von einem „widerlichen Verbrechen gegen alle Ägypter, das sämtliche Prinzipien von Menschlichkeit und Zivilisation verhöhnt“. Der deutsche Außenminister, Sigmar Gabriel, sagte, das Kalkül der Täter, einen Keil in das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu treiben, dürfe nicht aufgehen. Papst Franziskus, der am 28. und 29. April zu einem zweitägigen Besuch in Kairo erwartet wird, übermittelte dem koptischen Oberhaupt, Tawadros II., und der gesamten ägyptischen Nation sein Beileid. Möge Gott die Herzen derjenigen bekehren, „die Terror, Gewalt und Tod verbreiten“ und „die Waffen produzieren und damit Geschäfte machen“, sagte er beim Mittagsgebet im Petersdom. Weil in diesem Jahr das katholische und orthodoxe Ostern auf den gleichen Termin fallen, feierten am Sonntag auch die westlichen Kirchen die Palmliturgie.

Papst hält an der Kairo-Reise fest

Franziskus ist neben dem katholisch-orthodoxen auch der christlich-islamische Dialog ein besonderes Anliegen. Mit seiner Kairo-Reise erwidert er die Visite des obersten sunnitischen Glaubenshüters, Großimam Ahmed al-Tayyeb, im Mai 2016 im Vatikan. Beide Kirchenführer wollen mit ihrem Treffen ein Zeichen setzen gegen Fanatismus und Gewalt im Namen von Religion. Dabei warnt Franziskus immer wieder vor pauschalen Urteilen über den Islam. Die Gewalt werde von Extremistengruppen verübt, dürfe keinesfalls der gesamten Religion zugerechnet werden. (Quelle: Die Presse)

Zü zur Startseite
  • Stärke unsere Brüder und Schwestern,
    die wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
    Gib ihnen Kraft und Geduld, damit sie
    in ihrer Bedrängnis auf dich vertrauen und
    sich als deine Zeugen bewähren.

    Gib ihnen die Kraft, in der Nachfolge Christi
    das Kreuz zu tragen und auch in der Drangsal
    ihren christlichen Glauben zu bewahren.
    Amen.